Rabiat: Die Selbstoptimierer


"Rabiat: Die Selbstoptimierer"
am Montag, 14. 10., 22:45 Uhr im Ersten

Acht Wochen intensives Training für die Radio Bremen-Reportage "Rabiat: Die Selbstoptimierer": Reporter Alexander Tieg beim Leistungstest auf dem Fahrradergo-
meter. Bild: obs/Radio Bremen/© Radio Bremen - Andy Lehmann

Bremen (ots|wro) - Die Kontrolle und Steigerung möglichst aller Körperfunktionen mit Fitnessarmbändern, drillartigem Training oder auch Selbstmedikation - ein Riesentrend. Das Ziel: die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers und Geistes zu optimieren - teilweise mit drastischen Mitteln. In der Radio Bremen-Reportage "Rabiat: Die Selbstoptimierer" besucht der Y-Kollektiv- und Rabiat-Autor Alexander Tieg Bio-Hacker, Extrem-Sportler und Powerjobber und probiert aus, wie es sich anfühlt, sich selbst zu optimieren. Der Auftakt der dritten Staffel des jungen Reportageformats von Radio Bremen im Ersten wird für den Autor zu einem echten Kraftakt.

Es ist kurz nach acht an einem Montagmorgen, Andreas Breitfeld liegt in einer Gefriertruhe mit vier Grad kaltem Wasser, er atmet schwer, schnauft. "Im ersten Moment kickt es dich total und danach wird eigentlich alles so ein bisschen angenehmer", sagt er. Zwei Minuten bibbert Breitfeld im Eiswasser, persönliche Herausforderung auf seinem Weg zur Selbstoptimierung. Denn wenn der Morgen so brutal beginne, meint Breitfeld, könne der Rest des Tages ja nur besser werden.

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Stabliste:

Buch/Regie: Alexander Tieg
Kamera: Andy Lehmann, Jörg Reiniger
Schnitt: Manuel Weingärtner
Ton: Boris Joens, Sylvia Aschenbrenner
Produktionsleitung: Michael Kappler
Producer: Manuel Möglich, Christian Tipke
Redaktion: Michaela Herold (Radio Bremen)
Leitung: Thomas von Bötticher (Radio Bremen)
Redaktion: Michaela Herold (Radio Bremen)

Leitung: Thomas von Bötticher (Radio Bremen)

Eine Produktion der Sendefähig GmbH im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste © 2019

Rabiat - das junge Reportageformat
von Radio Bremen

Das Reportageformat "Rabiat" im Ersten gibt jungen Reporterinnen und Reportern die Möglichkeit, ihre Geschichte für ein großes Fernsehpublikum zu erzählen. Die Autorinnen und Autoren veröffentlichen ihre Reportagen seit drei Jahren als "Y-Kollektiv" für funk, das Contentnetzwerk von ARD und ZDF. Sie sind preisgekrönt, nominiert, auffällig. Journa-
listinnen und Journalisten mit Haltung und Tiefgang im On, die auch mal voll in die Kamera sprechen, gehören zum Konzept. Der Fokus richtet sich auf die teilnehmende Beobachtung, das Kennenlernen, das Erleben. In drei neuen Reportagen, die ab dem 14. Oktober montags im Ersten laufen, sind sie ganz nah dran: Die Macherinnen und Macher stoßen Zuschaue-
rinnen und Zuschauern mit ihrer subjektiven Erzählweise auch mal vor den Kopf. Sie bauen Klischees in den Filmen auf, um sie postwen-
dend zu brechen. Neue Sichtweisen sollen sich eröffnen. Die Filme wollen, sollen, ja sie müssen polarisieren, denn das macht gute Geschichten aus. Die weiteren Folgen der Rabiat-Staffel (jeweils um 22.45 Uhr im Ersten):

> 21. Oktober: Rabiat: Auf der Jagd
> 28. Oktober: Rabiat: Klima retten? Ohne mich!

Der Wunsch nach Optimierung hat längst nicht mehr nur mit Sport zu tun. Die Verbesserung des eigenen Körpers, tausendfach auch geliked und geteilt im Netz, Abbilder von Schönheit und Fitness, haben neue Ideale geschaffen. Und noch nie war es so einfach, mit Spritze und Skalpell nachzuhelfen. Oder Gehirn und Körper via Selbstmedikation bis an die Grenze der Legalität fit zu machen für Top-Performance. Andreas Breitfeld ist Bio-Hacker: Er misst und kontrolliert nahezu alle Körperfunktionen und diese Werte beeinflussen, was er isst, wann er ruht und wie viel Sport sein Körper verträgt. Es geht um: mehr Energie im Alltag, ein höheres Fitnesslevel und mentale Stärke.

Für Gleichgesinnte betreibt er ein Bio-Hacking-Labor in München, eine Mischung aus Fitness- und Reha-Studio. Seine Kunden: überambitio-
nierte Junge und alternde Macher. "Wir bemessen uns nach: weiter, höher und schneller", sagt Breitfeld, dies führe teilweise zu einer übersteigerten Leistungserwartung.

Die Optimierung des eigenen Ichs ist kein neuer Trend einiger weniger, der Wunsch nach maximaler Leistungsfähigkeit findet sich längst in allen Berufs- und Altersgruppen. In einer repräsentativen Studie des Münchner Marktforschungsinstituts Kantar TNS im Auftrag des Bun-
desverbands Gesundheitsstudios Deutschland, des Deutschen Fitness und Aerobic Verbands und des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit äußerten im Jahr 2016 bereits 97 Prozent der Frauen und 90 Prozent der Männer den Wunsch, ihre Körper ver-
bessern zu wollen. Hauptsache mithalten, Hauptsache: nicht abge-
hängt werden. Doch woher kommt diese Sehnsucht, schöner und schneller sein zu müssen, höher und weiter kommen zu wollen? Und überhaupt: Wieviel Ehrgeiz und Disziplin sind notwendig, um die
eigene Leistung messbar zu steigern?

Für die Radio Bremen-Reportage "Rabiat: Die Selbstoptimierer" geht auch Autor Alexander Tieg an die eigene Leistungsgrenze, unterstützt durch seinen ehemaligen Jugendtrainer. Vor mehr als 15 Jahren trai-
nierte dieser den Reporter schon einmal, als Jugendlicher im Radsport: jede Woche ungezählte Kilometer auf dem Rennrad, gemeinsame Rennwochenenden von März bis September. Nun arbeiten sie wieder an der Leistungssteigerung des Reporters: Was ist mit acht Wochen Training möglich? Und wie entbehrungsreich ist der Alltag, wenn alles der eigenen Optimierung untergeordnet wird? "Das Gefühl fürs Training wird schon wiederkommen", sagt Helmar Gröbel nach dem ersten Leistungstest und verordnet mindestens vier Trainingseinheiten pro Woche: Laufen und Radfahren für die Ausdauer, Gewichttraining für die Beinkraft.

Autor Alexander Tieg wird zum Selbstoptimierer und trifft andere, die ebenfalls das Optimum erreichen wollen. In Hamburg trainiert er mit Silvia Nordmann, sie sagt: "Für meine Ziele bin ich bereit, unheimlich hart zu arbeiten." Die Steuerprüferin ist gerade zwei Runden um die Außeralster gejoggt, 15 Kilometer noch vor der Arbeit. "Jedes Mal geht es einen Tick besser", sagt sie: "Und das ist ein gutes Gefühl." Ihr Ziel: Im kommenden Jahr will die 63-Jährige einen 100-Kilometer-Lauf absol-
vieren. Dafür trainiert sie bis zu 15 Stunden pro Woche, zusätzlich zu ihrem Vollzeitjob.

Doch wie schädlich kann ein übersteigerter Selbstanspruch letztlich auch sein? Was passiert, wenn der Druck so immens wird, dass der eigene Ehrgeiz und unbedingte Leistungswille krank machen?

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